Heimatlose

Grollen dringt an meine Ohren,
kündigt Unheilvolles an.
Geht wieder heut‘ ein Schiff verloren,
ins nasse Grab mit Maus und Mann?

Schon peitscht die Gischt an die Gestade,
es schäumt und rollt die raue See.
Geflutet sind bald Strand und Pfade.
Mir graut, wenn ich das Tosen seh.

Beim Blick auf dieses Sturmgewüte
denk ich an die, die rausgefahrn,
und hoff‘ auf Gottes Gnad und Güte,
dass er sich ihrer Seel‘ erbarm‘.

Ich dreh mich um, geh über Dünen,
schnell zurück zum sich‘ren Heim.
Leiser wird des Meeres Dröhnen,
bald wird‘s nur noch ein Rauschen sein.

Der Weg führt mich zu stillem Orte
an dem noch alte Zeugen stehn.
Plötzlich höre ich die Worte,
die über diese Stätte wehn:

„Refft die Segel! Holt sie nieder!“
„Auf, Matrosen, zögert nicht!“
„Sonst zerschmettert Deck und Glieder
der große Schiffsmast, wenn er bricht.“

Brüllend bricht Welle auf Welle
über Planken, Deck und Mann.
Stehend auf des Todes Schwelle
gibt ein jeder was er kann.

Der Kampf währt nun schon Stund um Stunde.
Erbittert gibt man Gegenwehr.
Nicht jeder schafft‘s und geht zu Grunde,
sieht seine Heimat nimmer mehr.

Kreuze zeugen schlicht hier heute,
mancher war noch fast ein Kind,
von letzter Fahrt jener Seeleute,
die namenlos begraben sind.